Die 2000-Watt-Gesellschaft

Das globale Reservoir an fossilen -Energien, insbesondere Erdöl, leert sich zunehmend rascher. Schon bald rücken die nur schwierig abbaubaren Vorkommen ins Blickfeld. Die Ausschöpfung dieser Reserven führt zu tatsächlichen oder vermeintlichen Verknappungen, die wiederum wirtschaftliche Verwerfungen oder gar kriegerische Auseinandersetzungen zur Folge haben. Es ist offenkundig: Wir leben auf Kosten kommender Generationen. Dies gilt auch für die CO2-Problematik. In den letzten 125 Jahren hat sich die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre um 35 Prozent erhöht. Eine Neuorientierung ist dringend notwendig.
Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft sieht eine kontinuierliche Absenkung des Energiebedarfs auf 2000 Watt vor. Dieses Ziel soll so rasch wie möglich erreicht werden. Bis ins Jahr 2050 kann sich der Anteil an fossilen Energien von heute 3000 Watt auf 1500 Watt pro Person halbieren. Der weit gefasste Zeithorizont hat triftige Gründe: Der Wandel bedingt eine rigorose Anpassung der Infrastruktur und eine intelligente Lebensweise, sonst bleibt die 2000-Watt-Gesellschaft eine Vision (unten stehende Grafik).

Der Primärenergiebedarf in der Schweiz beträgt heute 6000 Watt pro Person. Diese Grafik zeigt die potentielle Entwicklung hin zur 2000-Watt-Gesellschaft.

Ein CO2-Ausstoss von einer Tonne pro Kopf der Bevölkerung und Jahr gilt auch für die Schweiz als langfristiges Ziel. Diese Limite entspricht einem Verbrauch an fossilen Energien von etwa 500 Watt. Verringert sich der Bedarf an fossilen Energien im Rhythmus der 2000-Watt-Vision, kann das ambitiöse CO2-Ziel in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts oder spätestens im Laufe des nächsten Jahrhunderts erreicht werden.

Die Lebensqualität erfährt in der 2000-Watt-Gesellschaft keine Einschränkung. Im Gegenteil: Sicherheit und Gesundheit, Komfort und individuelle Entwicklung der Menschen verbessern sich, die Einkommen steigen in 50 Jahren um rund 60 Prozent. Aber: Diese ambitiösen Ziele sind ohne entschiedenes Handeln nicht zu erreichen.

Die wichtigsten Felder?

  • Erhöhung der Material- und Energieeffizienz.
  • Substitution von fossilen durch erneuerbare Energieträger und Reduktion der CO2- Intensität der übrigen Nutzung fossiler Energien.
  • Neue Lebens- und Unternehmensformen – Stichwort: nutzen statt besitzen
  • Professionalisierung in der Planung und Investition sowie im Betrieb von Bauten und Anlagen.

Die Vision ist machbar. Das belegen Forschende des ETH-Bereiches und anderer Institute. Sie rechnen die weitgehend unausgeschöpften Effizienz- und Substitutionspotenziale auf den gesamten Infrastrukturpark der Schweiz hoch – unter genauer Berücksichtigung des Erneuerungsrhythmus. Daraus resultiert ein weiter Zeithorizont von 50 bis über 100 Jahren, innerhalb dessen die Vision zur gelebten Wirklichkeit wird.

2000-Watt- and 1 Tonne CO2-Gesellschaft ziehen am gleichen Strick

Das Energy Science Center der ETH Zürich hat am 25. Februar 2008 der Öffentlichkeit seine Energiestrategie präsentiert. Diese stellt die Klimafrage und damit die Reduktion der CO2-Emissionen ins Zentrum. Die ebenfalls im ETH-Bereich verfolgte Strategie der „2000-Watt-Gesellschaft“ will primär den Energieverbrauch senken, führt dabei aber die CO2-Reduktion als wichtige Zielgrösse mit. Da und dort ist der Eindruck entstanden, zwischen den beiden Strategien bestünden grundlegende Divergenzen.

Es ist heute unbestritten, dass sowohl der Energie-Verbrauch als auch der CO2-Ausstoss massiv zu senken sind. Mit der Energiereduktion sollen Antworten auf die Begrenztheit und die Verknappung der Energie-Ressourcen gefunden und damit nicht zuletzt gravierende Versorgungskrisen vermieden werden. Der Anstieg des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre muss soweit gebremst werden, dass der Klimawandel in Grenzen gehalten wird und kein katastrophales Ausmass annimmt. Die Energie- und die CO2-Frage bilden je für sich zentral wichtige Zukunftsherausforderungen, sind aber gegenseitig eng verknüpft. Die zu treffenden Massnahmen überschneiden sich in weiten Bereichen und müssen Hand in Hand entwickelt werden.

Absolut vorrangig ist es, die Verwendung fossiler Energien massiv zu senken. Dies geschieht durch konsequente Steigerung der Energieeffizienz in allen Verbrauchsbereichen sowie durch verstärkte Substitution der fossilen Energie durch CO2-neutrale oder CO2-arme Energien. Damit ist die Gesellschaft  gefordert, die Nutzung der erneuerbaren Energien massiv auszubauen. Bei allen zu ergreifenden Effizienz-, Substitutions- und Förderungs-Massnahmen ist die Wirkung sowohl auf den Energieverbrauch als auch auf den CO2-Ausstoss in Rechnung zu stellen. Es liegt also in der Natur der Problemstellungen, dass getrennte Wege nicht möglich sind, sondern nur eine gemeinsame „Energie- plus CO2-Reduktions-Strategie“. Die Visionen einer „2000-Watt-Gesellschaft“ und einer „1-Tonne-CO2-Gesellschaft“ sind in den nächsten 20 Jahren keine Konkurrenten, sondern Teile des Bestrebens für eine insgesamt nachhaltige Entwicklung. Langfristig setzen die beiden Strategien unterschiedliche Prioritäten: umfassende Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs resp. forcierte Reduktion des CO2-Ausstosses zur Erreichung der Klimaziele. Es wird eine der grossen Aufgaben der kommenden Jahre sein, die Strategien der nachhaltigen Entwicklung weiter zu entwickeln und dabei unterschiedliche Zielvorstellungen gegenseitig abzustimmen.

Im ETH-Bereich wird in Forschung und Entwicklung sehr viel geleistet, um Antworten auf die Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung zu finden. Damit die dabei gewonnen Erkenntnisse und Technologien nutzbringend angewendet und verbreitet werden können, wurde vor acht Jahren das Projekt "Novatlantis" ins Leben gerufen. Novatlantis wird von den beiden ETH in Zürich und Lausanne und den vier Forschungsanstalten gemeinsam getragen und nutzt Wissen aus der Forschung im ETH-Bereich, um konkrete Schritte für nachhaltiges Handeln zu realisieren. Im Vordergrund stehen Ressourcen schonende Technologien, die zusammen mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Behörden und Politik eingesetzt und verbreitet werden. Besondere Aufmerksamkeit erfährt der sorgfältige Umgang mit Energie. Hier orientiert sich Novatlantis an der Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft. Diese steht als Metapher für die Zielsetzung, eine zukunftsorientierte Entwicklung unserer Gesellschaft bei deutlich reduziertem Energieeinsatz und drastisch reduzierten CO2-Emissionen zu ermöglichen.

Kontaktpersonen:

Prof. Dr. Alexander Wokaun 
Präsident Steuerungsausschuss Novatlantis

Roland Stulz
Geschäftsführer Novatlantis



Novatliantis - News/Verantaltungen


08.11.2010 | Novatlantis Bauforum

Gebäudesanierung – Fit für die 2000-Watt-Gesellschaft

19.10.2010 | Novatlantis Mobilitätsforum Basel

Flottenmanagement in Zeiten der Klimadiskussion

24.08.2010 | Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft

Die Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft hat einen eigenen Webauftritt erhalten und bietet darauf...

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